Day 6 - 13. Januar 06
Der letzte Tag Sail Melbourne - um 10.00 war das Competitors Briefing zum
Medal Race, der Anhang in den SI war ca. 4 Seiten lang, und dementsprechend
kompliziert war die ganze Sache. Die Protestflagge wurde wieder eingeführt,
da natürlich keiner eine hatte, verteilte sie das Race Office gratis. Die
Surfer brauchten keine Protestflagge, sie sollten den Arm hochhalten und
Protest rufen - die Frage, wie das bei 15-20kn gehen soll, blieb
unbeantwortet.
Die ganze Organisation erschien uns eher dubios, alle 20 Min ein Start auf
der selben Course Area bei der Hafenausfahrt, und jede Klasse mit ihrem
"angestammten" Parcours. Das Geschiebe von Bojen war abzusehen... Aber auch
sonst war für Ablenkung gesorgt, 3 Juryboote pro 10 Boote kurvten im Feld
rum, Yachten segelten aus und in den Hafen, die anderen Klassen bereiteten
sich vor resp. beendeten ihren Lauf, dazu Medien- Coach- und Zuschauerboote.
Ich hatte einen sehr guten Start, und fuhr danach ebenso schlecht weiter...
der eigentliche Plan war es gewesen, in der Mitte die Winddreher
mitzufahren, aber ein Extremschlag (egal welche Seite) wäre die bessere
Lösung gewesen. Zudem liess meine Geschwindigkeit v.a. auf der Kreuz sehr zu
wünschen übrig, es waren allerdings auch extrem schwierige Bedingungen mit
unkonstanter Windstärke und -richtung und Wellen von allen Seiten (s.o.). Da
ich Mühe mit dem Speed hatte, kam die Taktik zu kurz und häufig wendete ich
eher 'kurzsichtig' aufgrund der anderen Boote anstatt in Funktion des
Windes. Unser Race war sehr eng, allerdings hatte ich nie die Chance
aufzuholen. Dass ich mit einem Lauf noch 3 Plätze verliere, ist natürlich
ärgerlich, aber ich denke, dass es auch nicht ganz die Leistung der Woche
widerspiegelt. Über den Sinn eines Medal Race kann man sich streiten, denn
die ganze Rechnerei wird nicht wirklich einfacher (was ja der Sinn wäre),
und ist es logisch, dass die 5. des Medal Race die Regatta gewinnt? Oder
dass jemand, der die ganze Woche konstant vorne dabei war, in einem Lauf
einen Podestplatz (= Medaille) verliert? Zudem ist die Medienattraktivität
fraglich, die Läufe waren nicht anders als normale Läufe und bei den meisten
Klassen (die Laser bilden da eine Ausnahme) gab es ziemliche Abstände.
Auf jeden Fall war es gut, das mal üben zu können, ich habe vor allem im
mentalen Bereich einige Unterschiede zu "normalen" Läufen notiert, was ich
eigentlich nicht so extrem erwartet hätte.
Persönlich bin ich trotz eher unerfreulichem Abschluss zufrieden mit meinem
Australien-Trip, einerseits ist mir beim Vorwind "ein Knopf aufgegangen" und
ich habe bei Leichtwind etwas Selbstvertrauen gewonnen, vor allem aber habe
ich ziemlich viel Material, um weiterzuarbeiten, die 4 Wochen haben mir
meine Lücken im technischen, taktischen und mentalen Bereich gezeigt, und
ich werde versuchen, möglichst viele davon bis zum Start der Europa-Saison
zu schliessen.
So, jetzt gehts dann ab zum Flughafen!
CU soon back home
Corinne
Day 5 - 12. Januar 06
Ja, wir hatten ihn, den Seabreeze-Tag - und nein, ich habe nicht gut
gesegelt. Aber alles mal schön der Reihe nach.
der erste Lauf begann mit einer Startverschiebung, da der Wind um 25°
gedreht hatte und das Komitee den Kurs neu ausrichten musste. Mit ca. 30Min
Verspätung starteten wir, ich hatte einen mittelmässigen Start und eine gute
erste Kreuz und rundete als 3. Auf dem Vorwind blieb ich beinahe kleben und
verlor 2 Plätze. Danach segelte ich die wohl schlechteste Kreuz seit
langem... kein Winddreher, den ich nicht verkehrt herum erwischte. Nochmals
-2 Plätze, ich war am Schluss des 1. Paketes angelangt, wo ich auch blieb
(da half auch der wieder bessere Vorwind nix).
Im 2. Lauf hatten wir etwas mehr Wind, ca. 15kn, ich startete gut und konnte
einen Winddreher optimal ausnutzen. An der Luvboje war ich 1., vor Krystal.
Auf der 2. Kreuz fand die Chinesin einen mysteriösen Weg, uns allen 50m
abzuknöpfen, ich rundete als 2. Der Vorwind war immer noch nicht der Hit, am
Leegate rundete ich gleichzeitig mit Krystal, ebenso an der Luvtonne.
Krystal hatte jedoch Innenposition und fuhr mir auf dem Halbwind &
abschliessenden Vorwind davon.
Heute fehlte mir v.a. im 2.Lauf ganz klar der Speed, um einen Lauf gewinnen
zu können. Auf der Kreuz suchte ich ständig den idealen Segeltrimm, fand ihn
jedoch nicht, und auf dem Vorwind schaute ich etwa 4 mal, ob ich Seegras am
Ruder hätte...
Nach dem heutigen Tag bin ich 5. im Klassement, morgen findet noch das
doppelt zählende Medal Race statt, es ist also noch vieles offen.
Day 4 - 11. Januar 06
Wie angekündigt früher Start heute, und wie vorhergesehen kein Wind. Diesmal
noch mehr kein Wind als das letzte Mal... wir hatten zwischen gar nichts
(auf dem 2. Vorwind des 1. Laufes hab ich mich mal gefragt, ob ich vorwärts
oder rückwärts treibe) und vielleicht 7kn. Zudem war die ganze Sache
ziemlich drehend.
Im 1. Lauf war mein Start zwar nicht so der Hammer, aber die rechte Seite
erwies sich als passable Option, ich war 8. an der Luvboje. Auf der 2. Kreuz
konnte ich noch 2 Plätze gutmachen und auf dem abschliessenden Vorwind die
Chinesin hinter mir halten - Rang 6. Im 2. Lauf lief so ziemlich alles
schief... ich war in einer guten Startposition, nahm aber zu spät dicht und
musste mich freisegeln - auf die falsche Seite selbstverständlich. Auf dem
Vorwind verlor ich wiederum, weil der Wind genau das Gegenteil von dem tat,
was er auf der Kreuz getan hatte. Auf der 2. Kreuz machte ich einen guten
ersten Schlag und erwischte den Dreher, danach stellte der Wind jedoch ab
und ich machte den Fehler, auf derselben Seite frischen Wind suchen zu
wollen. Der Wind kam 50° weiter südlich zurück, und ich war (mit 2-3
anderen) auf dem Abstellgleis. Den 14. kann ich streichen und mein 7. vom
ersten Tag kommt in die Wertung. Das lustige daran ist, dass ich mit meinem
(mindestens zu 50%) schlechten Tag 1 Platz in der Gesamtwertung gewonnen
habe... aber es bleibt auf alle Fälle eng.
Morgen ist der Start um 13 Uhr, vielleicht (wir haben die Hoffnung schon
beinahe aufgegeben) kriegen wir dann auch mal ein bisschen Seabreeze - heute
kam sie auf dem letzten Vorwind, also genau, als wir unser Pensum absolviert
hatten. Das war der Frust des Tages, der Wind kommt und wir gehen rein!!!
Hätte ich nicht 2 lädierte Handgelenke, wäre ich noch für ein Training
draussen geblieben, so aber... dafür war ich am Abend eine gute Stunde
joggen, Anti-Frustrationstraining ;-)
Day 3 - 10. Januar 06
Dass wir heute nicht die angesagte Seabreeze haben würden, war schon am
Morgen klar, das Jogging fand heute bei nass-kaltem Wetter statt.
Race 5, 6-9kn S
Um 13.00 war der erste Start, bis die Radials gesittet über die Linie kamen,
war es beinahe 14 Uhr. Ich startete im Lee, ein guter Start, und segelte
links raus. Eigentlich dachte ich, ich hätte zu spät gewendet, aber ich
konnte von Böen von links profitieren und ca. 5° mehr Höhe segeln als der
Rest der Fleet. Kurz vor der Layline drehte der Wind zurück nach rechts, und
ich musste Krystal passieren lassen, die dann auf der Layline auch noch 5m
vor mich hinwendete. Ich rundete als 2., auf dem Vorwind verlor ich 1 Platz
und auf der 2. Kreuz machte ich einen Holeschlag zu viel links und verlor
einen weiteren Platz. Der 4. Platz war mein Schlussrang.
Race 6, 8-12kn S
Nach einem mittelmässigen Start konnte ich etwas höher fahren als NZL im Lee
vor mir und somit mit der Flotte mithalten. Mit einem guten Schlag rechts
raus, auf den Winddreher getimt, übernahm ich die Spitze. auf dem Vorwind
fuhr ich stupiderweise rechts raus, was NZL und CZE erlaubte, innen zu
überholen. Ich wählte die rechte Gateboje und verlor damit erst ca. 20m auf
CZE, die ich jedoch mit einem gut ausgenutzten Winddreher wieder gutmachen
konnte. Ich rundete die 2. Luvboje als 2., auf dem Halbwind wurde ich von
CZE eingeholt, wir gewannen jedoch auch den Anschluss an NZL wieder. Die
beiden waren vor mir, und da ich auf dem Vorwind nicht hinterherfahren
wollte, positionierte ich mich ca. 25m im Lee. Ich blieb auf der selben Höhe
bis ca. 100m vor der Halseboje, als ich etwas mehr Druck hatte und einige
grosse Wellen ziemlich gut erwischte, was mir einen Vorsprung von 15m und
den Laufsieg einbrachte.
Eigentlich war ich gestern mit meinem Tag schon recht zufrieden, aber wenn
es noch besser geht, ist das auch ok ;-)) Auf jeden Fall ein sehr
ermutigendes Resultat in wiederum schwierigen Bedingungen. Und einfacher
wirds sicher nicht, die ersten 8 sind nur durch 4 Pkte getrennt (!) und wir
haben den Start um 10.00, d.h. eher wieder Leichtwind.
Day 2 - 9. Januar 06
Early start heute: 10.00. Das hiess um 7 uhr aufstehen, um 9 uhr
auslaufen... und natürlich hatte es dann noch keinen Wind. Um 10 Uhr hatten
wir etwas SW-Wind, so 3-6kn und das Komitee startete den ersten Lauf. Mein
Start war ziemlich schlecht, ich machte einen Extremschlag rechts was sich
auszahlte. 5. an der Luvboje. Auf dem Vorwind konnte ich mich nicht für eine
Seite entscheiden und verlor 2 Plätze, wovon ich einen auf dem 2. Vorwind
wieder gutmachen konnte. Schlussrang 6.
Für den 2. Lauf hatte der Wind etwas aufgefrischt, 6-12kn, ziemlich
inkonstant, mal waren wir im Cockpit drin, mal mussten wir hängen... Der
Start war diesmal besser, aber meine Option rechts etwas zu extrem. Zudem
hatte es mehr Wellen und mein Speed liess zu wünschen übrig (die
Leichtgewichte hingen voll in den Gurten, ich konnte den Gewichtstrimm mit
dem Oberkörper regeln). An der Luvboje war ich ca. 16. Auf dem Vorwind und
der 2. Kreuz konnte ich etwas aufholen und war vor dem abschliessenden
Halbwind-Vorwind-Halbwind ca. 10. Auf dem letzten Vorwind setzte ich alles
auf die Karte rechts (gegen den Strand, war auf der letzten Kreuz die
bessere Seite gewesen) - und 'gewann'. Mit einem Monster-Speed machte ich
ca. 40m gut und konnte die Boje zum letzten Halbwind vor dem grossen
Gewimmel runden, wiederum Rang 6.
Im Gesamtklassement verlor ich 3(!) Plätze und bin nun 8., allerdings mit
einem schlechten Streicher (7.) Meine 4 Läufe waren ziemlich konstant, und
normalerweise zahlt sich das im Laufe einer Regatta aus. Die 1.platzierte
Chinesin hat nur 8 punkte weniger, es ist also alles noch offen. Mit meinem
Tag bin ich auf jeden Fall zufrieden, der erste Lauf war nicht meine
Bedingungen und der 2. noch weniger, trotzdem segelte ich 2 solide Läufe.
Morgen starten wir um 13 Uhr, dann vermutlich mit 10-15kn Seabreeze.
Day 1 - 8. Januar 06
Der erste Tag Sail Melbourne - nicht wie wir ihn erwartet hätten. Der
Nordwind zog sich zurück als wir um 12 Uhr ausliefen und bis 15 Uhr kam
nichts schlaues zustande. Dann, wie aus dem Nichts, war der Nordwind zurück,
mit 12-16kn und ziemlich böig und drehend. wir hatten den 2. Start nach den
Finns und schafften die Linie beinahe nicht mit Wind v. Stb... Ich konnte
mich gleich nach dem Start freiwenden und rundete die Luvboje als 4. Auf dem
folgenden Vorwind entschied ich mich für die falsche Seite und verlor 2
Plätze. Auf der 2. Kreuz ging ich erst rechts gegen das Ufer, wo die Böen
herkamen, entschloss mich dann aber, zur Risikominimierung, einen Schlag
zurück zu machen um im Feld zu bleiben. Wäre ich rechts geblieben, hätte es
wohl für den Laufsieg gereicht, so blieb mit einem guten letzten Vorwind
Rang 5.
Der 2. Lauf ist schnell erzählt, Mitte 1. Kreuz hatten wir einen 50 Grad
Dreher auf dem ohnehin etwas schiefen Kurs, in der Folge segelten wir 5
Halbwinder bei 20-30kn. Als ich (als 5.) um die letzte Boje auf den Vorwind
(eigentl. Halbwind) zum Ziel ging, drehte der Wind auf (ca. 40kn). Da ich
nicht genügend abfallen konnte, fuhr ich weiter offenen Halbwind und wendete
dann, konnte jedoch, als ich gegen das Ziel abfallen wollte, die Grossschot
nicht mehr halten und kenterte. Nach einer weiteren Badeeinlage schrammte
ich dann über die Ankerleine des Zielbootes (ca. 6m vom Boot immer noch an
der Wasseroberfläche!) durchs Ziel, als 7. (und mit ziemlich kaputten
Handgelenken)
Der 2. Lauf war einer Grade 1 Regatta nicht wirklich würdig, und auch die
einzige (?) Rampe nicht - ein ziemliches Chaos, wenn ca. 100 Boote Vorwind
in den Hafen zurückkommen. Nach 20min Kreiseln fand ich eine Lücke und
konnte meinen Laser ohne grösseren Schaden an Land hieven, wo eine Horde
agressiver Fliegen auf uns wartete (man fühlt sich hier wie eine Kuh!).
Ich würde sagen, ein Tag zum vergessen, morgen ist ein anderer Tag.





